In Matera lässt sich Kirchenbau als Abfolge lesen. Zuerst wurde in den Fels geschlagen, dann davor gemauert, schließlich darüber gebaut. Viele Kirchen der Oberstadt stehen auf einem älteren Felsraum, den man von außen nicht sieht – und manchmal auch drinnen erst auf den zweiten Blick.
Die drei Schichten
Wer die Kirchen der Stadt in dieser Reihenfolge ansieht, versteht sie besser als bei einem Rundgang nach Bequemlichkeit:
- Aus dem Fels gearbeitet. Die Felsenkirchen – kein Stein wurde gesetzt, sondern weggenommen. Pfeiler stehen da, wo Material stehen bleiben musste.
- Davor gemauert. Kirchen wie San Pietro Barisano, die von außen wie ein normaler Bau wirken und dahinter tief in den Fels reichen.
- Darüber gebaut. Barocke Bauten der Oberstadt wie San Francesco d’Assisi, unter denen eine ältere Felskirche liegt.
Die Kathedrale
Die Cattedrale di Matera steht auf der Civita, dem Felsrücken zwischen den beiden Sassi, und ist von fast überall an ihrem Glockenturm zu erkennen. Ihre Fassade zeigt apulische Romanik, ihr Inneres ist barock überformt – der Bruch zwischen beidem ist keine Ungeschicklichkeit, sondern die Geschichte des Hauses.
An den Plätzen der Oberstadt
- Chiesa di San Domenico – romanische Fassade mit Radfenster, direkt an der Piazza Vittorio Veneto.
- Chiesa del Purgatorio – Totenschädel am Portal, die ungewöhnlichste Fassade der Stadt.
- Chiesa di San Giovanni Battista – einer der ältesten gemauerten Bauten Materas.
- Chiesa di San Francesco d’Assisi – Barock über einer Felskirche.
Die kleineren Kirchen
Neben den bekannten Bauten stehen in Matera weitere Kirchen, die selten in Reiseführern auftauchen und oft nur zu Gottesdienstzeiten offen sind. Dazu gehören San Francesco da Paola an der Via Ridola, Materdomini, das Konvent Sant’Agostino über der Kante zum Sasso Barisano sowie die beiden Kirchen, die den Namen Santa Lucia e Sant’Agata tragen – eine an der Civita, eine an der Fontana. Der Doppelname erklärt sich aus der Verlegung der Gemeinde: Der Name zog mit um, der Bau blieb stehen.
Praktisch
In Kirchen wird geblitzt fotografiert, obwohl es fast überall untersagt ist – bei Fresken schadet das messbar. Schultern und Knie sollten bedeckt sein; in den Felsenkirchen ist es auch im Hochsommer kühl.
Weiterlesen
- Felsenkirchen in und um Matera – die Kirchen, die aus dem Stein gearbeitet sind
- Altstadt von Matera – die Oberstadt, in der die meisten dieser Kirchen stehen
- Die Paläste der Oberstadt – die weltliche Seite derselben Epoche