Die größte Felskirche der Stadt – und die einzige, in der man die alten Totennischen noch sieht. Von außen ahnt man davon nichts.
Ein gemauertes Gesicht
San Pietro Barisano liegt am unteren Rand des gleichnamigen Viertels. Von außen wirkt sie wie eine gewöhnliche gemauerte Kirche mit Glockenturm; erst drinnen zeigt sich, dass der Raum weit in den Fels hineinreicht. Sie ist damit ein Musterbeispiel für die Bauweise des Barisano: vorne gesetzt, hinten gegraben.
Gemessen an der Grundfläche gilt sie als die größte Felskirche Materas – ein Größenverhältnis, das man erst begreift, wenn man vom Eingang aus nach hinten schaut und das Ende des Raums im Halbdunkel liegt.
Die Unterkirche
Unter dem Hauptraum liegt eine Krypta mit Nischen, in denen Verstorbene aufgebahrt wurden, bis die Körperflüssigkeit abgelaufen war; die Gebeine kamen danach in ein gemeinsames Beinhaus. Diese Bestattungspraxis war in Süditalien verbreitet, ist aber selten so vollständig erhalten wie hier. Die Nischen mit ihren Abflussrinnen sind unverändert vorhanden und machen den Besuch eindrücklich – für manche auch unangenehm; wer empfindlich ist, sollte es vorher wissen.
Zustand und Geschichte
Die Kirche wurde nach Aufgabe des Gottesdienstes lange als Lager genutzt und dabei ausgeräumt; Ausstattung ging verloren, Fresken sind nur in Resten erhalten. Restaurierungen haben den Raum wieder zugänglich gemacht. Was fehlt, ist Teil der Geschichte: An kaum einer anderen Kirche der Stadt lässt sich der Verfall der Sassi und ihre spätere Wiederherstellung so unmittelbar ablesen.
Hinkommen
Der Weg führt vom oberen Rand des Sasso Barisano über Treppen hinunter. Drinnen ist es kühl und feucht, der Boden uneben. Eine Taschenlampe braucht man nicht, ruhige Augen schon – die Reste der Malereien erschließen sich nicht auf den ersten Blick.
Weiterlesen
- Sasso Barisano – das Viertel ringsum
- Madonna delle Virtù – der Felsenkirchen-Komplex weiter unten am Hang
- Belvedere Via D’Addozio – der Blick von der oberen Kante












