Totenschädel am Portal, Skelette auf der Holztür: die ungewöhnlichste Fassade der Stadt – und keineswegs als Schauereffekt gemeint.
Was man sieht
Die Kirche des Fegefeuers steht an der Via Ridola und fällt sofort auf. Ihre Fassade aus dem 18. Jahrhundert ist mit Totenschädeln und Gebeinen geschmückt; die zweiflügelige Holztür zeigt in geschnitzten Feldern Skelette und Seelen im Feuer. Zwei Sorten von Schädeln lassen sich unterscheiden – gekrönte und ungekrönte: Der Tod macht keinen Unterschied zwischen Mächtigen und Armen.
Warum das so ist
Die Bilder sind Programm, nicht Dekoration. Die Kirche gehörte einer Bruderschaft, die für die Seelen im Fegefeuer betete. Die Darstellungen sollten an die Vergänglichkeit erinnern und zum Gebet für die Verstorbenen auffordern – eine im Barock verbreitete Bildsprache, die hier ungewöhnlich konsequent durchgehalten ist.
Das trifft sich mit einer Stadt, in der der Umgang mit dem Tod ohnehin sichtbar war: Die Totennischen in San Pietro Barisano liegen nur wenige Hundert Meter entfernt.
Innen
Der Innenraum ist im Vergleich zur Fassade zurückhaltend: ovaler Grundriss, Stuckdekor, Seitenaltäre. Wer nach der Tür Dramatik erwartet, findet Ruhe – auch das gehört zum Konzept.
Lage
Die Kirche liegt an der Museumsstraße der Oberstadt, zwischen dem Archäologischen Museum und dem Palazzo Lanfranchi. Man kommt ohnehin vorbei; zwei Minuten vor der Tür lohnen sich, auch wenn geschlossen ist.
Weiterlesen
- Via Ridola – die Straße, an der sie steht
- Kirchen in Matera – der Überblick
- Museo Ridola – das Museum nebenan






