Die Schlucht, die alles erklärt: ohne sie gäbe es die Sassi nicht. Sie lieferte Schutz, Baumaterial und die ersten Höhlen zugleich.
Wie sie entstand
Die Gravina ist ein tief eingeschnittenes Tal, das der gleichnamige Bach über lange Zeiträume in den Kalkstein gefräst hat. An ihrer Westflanke liegt Matera, an der Ostflanke die Hochebene der Murgia. Solche Schluchten – im Italienischen gravine – finden sich mehrfach in Apulien und der Basilikata; sie sind das Kennzeichen dieser Karstlandschaft.
Warum hier gesiedelt wurde
Drei Gründe kamen zusammen. Der weiche Kalkstein ließ sich mit einfachem Werkzeug bearbeiten, sodass Wohnraum nicht gebaut, sondern gegraben werden konnte. Die Steilwände boten Schutz gegen Angriffe von außen. Und in den Höhlen war es sommers kühl und winters mild – ein Klimavorteil, den kein Haus dieser Zeit bieten konnte. Die Schlucht war Grund und Baumaterial zugleich.
Der Talgrund
Unten fließt der Bach, je nach Jahreszeit kräftig oder fast trocken. Der Talgrund ist über Wege erreichbar; eine Hängebrücke verbindet zeitweise beide Seiten. Wer hinuntersteigt, sieht die Stadt von unten – eine Perspektive, die kaum jemand erwartet: Von hier wirken die Sassi wie ein natürlicher Teil der Felswand.
Über der Schlucht kreisen regelmäßig Greifvögel. In den gegenüberliegenden Wänden sind Höhlen und Felsenkirchen zu erkennen.
Ein- und Abstiege
Die gängigsten Zugänge liegen bei Porta Pistola am unteren Rand des Sasso Caveoso. Der Abstieg dauert je nach Weg 30 bis 60 Minuten, der Rückweg entsprechend länger – bergauf und ohne Schatten.
Vorsicht
Die Kanten sind vielerorts ungesichert, das Gestein kann glatt sein. Bei Nässe sollte man unten bleiben oder gar nicht erst absteigen. Wasser mitnehmen ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.
Weiterlesen
- Parco della Murgia Materana – die Hochebene gegenüber
- Porta Pistola – der übliche Einstieg
- Belvedere Murgia Timone – das Ziel auf der anderen Seite













