Eine eingerichtete Wohnhöhle macht begreiflich, was in Beschreibungen abstrakt bleibt: wie eine Familie mit Kindern, Maultier und Hühnern in einem einzigen Raum lebte – bis in die 1950er-Jahre.
Was gezeigt wird
Mehrere Wohnhöhlen in den Sassi sind heute als Museum eingerichtet, mit dem Mobiliar und den Gerätschaften, die bis zur Räumung üblich waren. Die bekannteste liegt im Sasso Caveoso in der Nähe der Kirche San Pietro; eine weitere befindet sich im Rione Casalnuovo. Die Einrichtung stammt aus dem Bestand der Stadt – Betten, Truhen, Webstuhl, Geschirr, Werkzeug.
Ein Raum für alles
Der typische Grundriss besteht aus einem einzigen tiefen Raum. Vorn, wo Tageslicht einfällt, standen Bett und Truhe; dahinter, im Dunkeln, wurden Vorräte gelagert und die Tiere gehalten. Der Stall im Wohnraum war kein Notbehelf, sondern Teil der Wirtschaftsweise: Das Maultier war Arbeitskraft und Vermögen zugleich, und seine Körperwärme heizte im Winter mit.
Das Bett stand oft hoch, mit Stauraum darunter; die Kinder schliefen in Schubladen oder in Nischen der Wand. Wo mehrere Generationen zusammenlebten, teilte sich der Raum nicht durch Wände, sondern durch Gewohnheit.
Zisterne und Rauch
Zu fast jeder Wohnhöhle gehört eine eigene kleine Zisterne, gespeist vom Regenwasser des Dachs oder der Terrasse darüber. Gekocht wurde am offenen Feuer, der Rauch zog durch die Tür ab. Beides erklärt einen Teil der hohen Krankheitslast: verunreinigtes Wasser und schlechte Luft in einem Raum ohne Fenster.
Warum sich der Besuch lohnt
Der Rundgang dauert nur wenige Minuten, verändert aber den Blick auf den Rest der Stadt. Wer danach durch die Gassen geht, sieht in jeder Tür einen Haushalt statt einer Sehenswürdigkeit. Für viele ist das der Moment, in dem aus einer schönen Kulisse eine Geschichte wird.
In Verbindung mit Casa Noha, wo die Umsiedlung erzählt wird, ergibt sich ein vollständiges Bild – am besten in dieser Reihenfolge: erst die Erzählung, dann der Raum.
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