Ein Raum für alles: wie in den Sassi tatsächlich gelebt wurde – bis die Bewohner in den 1950er-Jahren per Gesetz umgesiedelt wurden.
Der Grundriss
Die typische Wohnhöhle besteht aus einem einzigen tiefen Raum, der von der Fassade aus in den Fels reicht. Vorn, wo Licht einfiel, standen Bett und Truhe; dahinter lagerten Vorräte, ganz hinten im Dunkeln standen die Tiere. Fenster gab es keine – die Tür war Lichtquelle, Rauchabzug und Lüftung zugleich.
Erweitert wurde nicht in die Breite, sondern in die Tiefe. Wuchs die Familie, grub man weiter. Der Stein ließ sich mit einfachem Werkzeug bearbeiten, und der Aushub wurde zu Baumaterial für den Vorbau.
Warum der Stall im Wohnraum war
Das Maultier war Arbeitskraft und Vermögen zugleich – man ließ es nicht draußen, wo es gestohlen werden konnte. Seine Wärme heizte im Winter mit; der Preis war die Luft. Hühner, gelegentlich ein Schwein und Vorräte teilten denselben Raum. Was aus heutiger Sicht als Elend erscheint, war zunächst schlicht die vorhandene Wirtschaftsweise.
Wie viele
Vor der Räumung lebten in den Sassi rund fünfzehntausend Menschen, oft zu acht oder mehr in einer Höhle. Zusammen mit knappem und verunreinigtem Wasser, Rauch und fehlendem Abwassersystem ergab das Zustände, die Carlo Levi in Christus kam nur bis Eboli beschrieb und die in Italien nach dem Krieg als „nationale Schande“ diskutiert wurden.
Was verloren ging
Die Umsiedlung brachte Fenster, fließendes Wasser und Strom. Sie zerstörte zugleich die Nachbarschaftsstruktur der Höfe – Menschen, die ihr Leben lang um einen gemeinsamen Hof gewohnt hatten, fanden sich in Wohnblöcken ohne diesen Mittelpunkt wieder. Beides gehört zusammen und lässt sich nicht gegeneinander aufrechnen.
Heute
Mehrere Höhlen sind als Museum eingerichtet und mit Originalmobiliar bestückt; andere wurden zu Wohnungen und Hotelzimmern umgebaut. Wer beides an einem Tag sieht, versteht die Spannweite dieser Stadt.
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