Matera lässt sich schlecht von innen begreifen. Erst von einer Kante aus sieht man, wie die Stadt gebaut ist: Terrasse über Terrasse, jedes Dach zugleich der Hof des Hauses darüber. Diese Seite stellt die Aussichtspunkte nebeneinander – nach Blickrichtung, Tageszeit und danach, wie beschwerlich der Weg ist.
Der eine Blick, den man gesehen haben muss
Wer nur einen einzigen Aussichtspunkt ansteuert, nimmt den Belvedere Murgia Timone auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht. Nur von dort liegt die Stadt vollständig im Bild – Sasso Caveoso, Civita mit der Kathedrale, Sasso Barisano, alles auf einmal. Das ist die Ansicht, die man von Matera im Kopf hat.
Der Preis dafür ist der Weg: mit dem Auto ein Bogen um die Schlucht herum, zu Fuß ein Abstieg in die Gravina und ein Gegenanstieg. Wer beides nicht will, bleibt auf der Stadtseite – dort gibt es genug.
Blicke ohne Treppen
Nicht jeder kann und will klettern. Zwei Punkte sind eben erreichbar:
- Belvedere Luigi Guerricchio – die Terrasse mit den drei Bögen, unmittelbar an der Piazza Vittorio Veneto. Der zugänglichste Blick der Stadt, ohne eine einzige Stufe.
- Piazzetta Pascoli – der Platz vor dem Palazzo Lanfranchi, über die ebene Via Ridola zu erreichen. Der Blick über den gesamten Sasso Caveoso.
Wo es ruhiger ist
Die bekannten Terrassen liegen alle an der Hauptachse und sind zum Sonnenuntergang voll. Zwei Alternativen mit demselben Motiv, aber weniger Betrieb:
- Belvedere Via D’Addozio – der Blick auf den Sasso Barisano von Norden.
- Porta Pistola – am unteren Rand des Sasso Caveoso, dort wo der Hang zur Schlucht abbricht.
Mitten im Viertel
Der Belvedere di San Pietro Caveoso liegt nicht oben, sondern im Sasso Caveoso selbst: der Platz vor der Kirche, direkt an der Abbruchkante. Von hier sind Kirche, Felskegel und Schlucht in einem Bild – ein Motiv, das von den Oberstadt-Terrassen so nicht zu haben ist. Ähnlich der Panoramablick über die Gravina entlang der unteren Wege.
Wann welches Licht
Die Sassi liegen an einem West-Ost-Hang über der Schlucht. Daraus folgt eine einfache Regel:
- Früher Morgen – die Stadt liegt vom Murgia-Belvedere aus im Gegenlicht, dafür sind die Gassen leer und kühl.
- Später Nachmittag – die Sonne beleuchtet den Hang frontal, die Terrassen zeichnen sich plastisch ab. Die beste Stunde für Fotos, aber auch die vollste.
- Mittag – flaches Licht, kein Schatten, blasser Stein. Die Zeit für Museen und für alles unter der Erde.
- Nach Einbruch der Dunkelheit – die Beleuchtung zeichnet die Terrassen nach; von der Piazzetta Pascoli aus besonders eindrücklich.
Weitere Kanten
Über die genannten hinaus tragen mehrere Stellen im Stadtplan den Namen Belvedere, ohne ausgebaute Terrasse zu sein – etwa an der Civita zwischen den beiden Vierteln und an der Via Casalnuovo am südlichen Rand des Sasso Caveoso. Man erkennt sie daran, dass die Brüstung plötzlich freigibt, was vorher die Häuser verdeckt haben. Wer ohne Ziel durch die Gassen geht, findet sie von selbst.
Weiterlesen
- Die Sassi di Matera – worauf man von all diesen Punkten eigentlich blickt
- Die Gassen der Sassi – die Wege zwischen den Aussichtspunkten
- Parco della Murgia Materana – die Hochebene gegenüber



