Unter dem zentralen Platz der Oberstadt liegt ein Wasserspeicher von der Größe einer Kathedrale. Der Palombaro Lungo wurde in den Fels geschlagen, versorgte Matera über Generationen mit Regenwasser und geriet danach so gründlich in Vergessenheit, dass man ihn erst bei Bauarbeiten wiederfand.
Warum Matera eine Stadt der Zisternen ist
Matera liegt auf Kalkstein, am Rand einer Schlucht, ohne Fluss und ohne verlässliche Quelle. Wer hier siedeln wollte, musste Regenwasser auffangen und aufbewahren. Genau das haben die Bewohner über Jahrtausende getan: Nahezu jedes Haus in den Sassi hatte seinen eigenen Wasserspeicher, dazu kamen große gemeinschaftliche Anlagen. Der Palombaro Lungo ist die größte von ihnen – und der Grund dafür, dass an dieser trockenen Stelle überhaupt eine Stadt entstehen konnte.
Wie der Palombaro Lungo entstand
Die Anlage wurde nicht in einem Zug gebaut. Ältere, kleinere Zisternen hat man nach und nach vergrößert, miteinander verbunden und schließlich zu einem einzigen Raum zusammengeführt. Ablesen lässt sich das an den Pfeilern, die stehen geblieben sind, um die Decke zu tragen: Sie markieren die Grenzen der früheren Kammern. Die Wände sind mit einem wasserdichten Putz überzogen, damit das gesammelte Wasser nicht im porösen Kalkstein versickert.
Vergessen und wiederentdeckt
Als Matera an eine moderne Wasserleitung angeschlossen wurde, verlor der Speicher seine Aufgabe. Er wurde verschlossen und verschwand aus dem Gedächtnis der Stadt. Erst bei Arbeiten an der Piazza Vittorio Veneto stieß man wieder auf den Hohlraum unter dem Pflaster. Heute führt von der Platzkante eine Treppe hinunter.
Was man beim Besuch sieht
Stege führen dort entlang, wo früher das Wasser stand. Von ihnen aus erkennt man die Meißelspuren an den Wänden – Schlag für Schlag von Hand aus dem Fels geholt – und die dunklen Ränder, die der Wasserstand über die Jahre hinterlassen hat. Der Raum ist hoch, schmal und vollkommen still; jedes Geräusch braucht einen Moment, bis es verklingt.
Der Besuch dauert nicht lang, erklärt aber besser als jeder Text, warum die Menschen hier so viel Aufwand mit Wasser getrieben haben.
Lage, Zugang und was mitzunehmen ist
Der Einstieg liegt an der Piazza Vittorio Veneto, mitten in der Oberstadt und wenige Schritte von der Via Ridola entfernt. Hinunter geht es über eine Treppe; stufenfrei ist die Anlage nicht. Unten ist es spürbar kühler als oben – auch im Hochsommer ist eine leichte Jacke sinnvoll, festes Schuhwerk ebenso, weil die Stege feucht sein können.
In der Nähe
- Hypogäen unter der Piazza Vittorio Veneto – weitere Hohlräume unter demselben Platz
- Die Zisternen der Sassi – wie die Wasserversorgung in den Wohnvierteln funktionierte
- Matera Sotterranea – Rundgänge durch die unterirdische Stadt
- Piazza Vittorio Veneto – der Platz über der Zisterne


