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Zwischen den Höhlen liegen Terrassen, Höfe und kleine Gärten – der Freiraum einer Stadt ohne Straßen. Wer die Sassi nur als Höhlen denkt, übersieht die Hälfte.

Der Vicinato

Vor den Eingängen liegen Höfe, die mehreren Familien gemeinsam gehörten. Diese Nachbarschaftshöfe – vicinati – waren die soziale Einheit des Viertels: Hier wurde gewaschen, gearbeitet, geredet und auf Kinder aufgepasst. In der Mitte lagen die gemeinsame Zisterne und oft ein Backofen.

Der Hof ersetzte, was anderswo die Straße leistet. Er war halb privat, halb öffentlich – ein Zwischenraum, für den es in der modernen Stadtplanung kaum eine Entsprechung gibt. Mehrere solcher Höfe bildeten einen Rione.

Gärten im Fels

Auf den Terrassen wurde Erde aufgeschüttet und bepflanzt. Feigen, Wein und Gemüse wuchsen dort, wo darunter jemand wohnte – das Dach des einen Hauses war der Garten des nächsten. Weil Wasser knapp war, standen die Pflanzen dort, wo ohnehin Regen zusammenlief.

Diese Stapelung ist das eigentliche Bauprinzip der Sassi: keine Trennung von Haus, Weg und Garten, sondern dieselbe Fläche in mehreren Nutzungen übereinander.

Warum das zählt

Die Umsiedlung der 1950er-Jahre zerriss genau diese Struktur. Die Menschen bekamen Wohnungen mit Fenstern und fließendem Wasser, aber keine Höfe – und damit keine Nachbarschaft im alten Sinn. In den neuen Vierteln war jeder für sich; die Wege, auf denen man sich zwangsläufig begegnete, gab es nicht mehr. Viele ältere Umgesiedelte haben das später als den eigentlichen Verlust beschrieben, nicht den Umzug an sich.

Wo man es sieht

An vielen Stellen in beiden Vierteln, wenn man auf die Zwischenräume achtet statt auf die Fassaden. Besonders deutlich im Sasso Caveoso, wo weniger überbaut wurde. Auch das Convicinio di Sant’Antonio folgt derselben Idee – vier Kirchen um einen gemeinsamen Hof.

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