Der nördliche Sasso zeigt sich städtischer: Steinfassaden, Torbögen und enge Gassen. Was aussieht wie eine gewachsene Altstadt, ist auch hier zu großen Teilen Fels – nur besser verkleidet.
Haus vor Höhle
Der Sasso Barisano ist der stärker überbaute der beiden Bezirke. Im Lauf der Jahrhunderte wurden vor die Höhlen Fassaden gesetzt, Räume vorgelagert, Gewölbe eingezogen. Das Ergebnis ist eine Doppelstruktur: vorne gemauertes Haus, hinten Höhle. Wer durch eine offene Tür schaut, sieht das Muster sofort – der vordere Raum hat rechte Winkel, der hintere folgt dem Stein.
Diese Bauweise war kein Zierrat, sondern Notwendigkeit: Sie schuf Fenster, Rauchabzug und Stauraum, wo die Höhle keinen bot. Sie ist zugleich der Grund, warum der Barisano heute wohnlicher wirkt als der Sasso Caveoso.
Warum hier mehr los ist
Weil die Bausubstanz robuster war, hat sich die Wiederbelebung nach dem jahrzehntelangen Leerstand zuerst im Barisano durchgesetzt. Ein großer Teil der Hotels, Restaurants und Werkstätten liegt in diesem Viertel; abends ist es entsprechend belebter. Wer in einer Höhle übernachten will, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit hier.
Was hier liegt
- San Pietro Barisano – die größte Felskirche der Stadt, am unteren Rand des Viertels.
- Madonna delle Virtù und San Nicola dei Greci – ein Felsenkirchen-Komplex über der Schlucht, heute auch Ausstellungsraum.
- Casa Cava – Konzertsaal in einem ehemaligen Steinbruch.
- Convento di Sant’Agostino – über der nördlichen Kante, mit dem ruhigsten Blick auf das Viertel.
Blickachsen
Von den oberen Gassen und von der Via D’Addozio aus überblickt man die Dächer des Viertels – ein Gewirr aus Terrassen, Schornsteinen und kleinen Kuppeln, hinter dem der Glockenturm der Kathedrale aufragt. Der bequemste Blick ist der Belvedere Luigi Guerricchio an der Piazza Vittorio Veneto: drei Bögen, keine Stufe.
Wege
Durch das Viertel führen zwei Höhenlinien: die Via Fiorentini auf halber Höhe, wo die Lokale liegen, und die Via Madonna delle Virtù unten über der Schlucht. Dazwischen Treppen. Eine bewährte Runde geht oben hinein und unten zurück – siehe Die Gassen der Sassi.
Weiterlesen
- Die Sassi di Matera – der Überblick über beide Viertel
- Rione Civita – der Felsrücken zwischen den Vierteln
- Casa Cava – der Steinbruch, aus dem die Fassaden stammen





