Einmal im Jahr heiraten in Accettura zwei Bäume. Eine Zerreiche wird im Wald gefällt, eine Stechpalme aus einem anderen Wald geholt, beide werden im Ort ineinander gefügt und aufgerichtet – ein Ritual, das älter ist als das Christentum und heute zu Ehren des Patrons San Giuliano gefeiert wird. Das „Maggio di Accettura“ ist eines der eindrucksvollsten Feste Süditaliens.
Accettura liegt auf 770 Metern in den Bergen nordwestlich von Matera, rund 1.500 Menschen leben hier. Etwa die Hälfte des Gemeindegebiets ist Wald und Weide; der Ort gehört zum Regionalpark Gallipoli Cognato und Piccole Dolomiti Lucane. Der Name erscheint erstmals in einer päpstlichen Urkunde von 1060; 1272 brannte der Ort fast völlig ab und wurde unter Karl I. von Anjou wieder aufgebaut.
Das Maggio – die Hochzeit der Bäume
Das Fest zieht sich über Wochen hin. Am ersten Sonntag nach Ostern suchen Freiwillige im Wald von Montepiano die höchste, geradeste Zerreiche aus – den „Maggio“. Am Sonntag danach wird im Wald von Gallipoli Cognato die Stechpalme bestimmt, die „Cima“. An Christi Himmelfahrt wird der Maggio gefällt. Acht Tage später ziehen rund fünfzig Ochsenpaare der podolischen Rasse den Stamm über etwa vier Kilometer bis vor den Ort. Am Pfingstsonntag kommt der Maggio herein, während die Cima über gut fünfzehn Kilometer auf Schultern getragen wird; gegen 19 Uhr werden beide Bäume vereinigt – die eigentliche Hochzeit. Am Dienstag darauf folgt die Prozession für San Giuliano, der Baum wird langsam aufgerichtet, und wer mag, klettert hinauf. Der Stamm ragt dann weit über zwanzig Meter in den Himmel.
Das Datum wechselt also mit Ostern. Wer das Fest sehen will, plant die Reise um Pfingsten und richtet sich nach dem Programm der Gemeinde.
Weitere Sehenswürdigkeiten
Museo dei Culti Arborei
Das Museum der Baumkulte zeigt Bilder, Fotografien und Filme zum Maggio, dazu bäuerliches Arbeitsgerät. Es ist die richtige Adresse, wenn man außerhalb der Festzeit kommt und verstehen will, was hier geschieht.
Kirchen
Im Ort stehen mehrere barocke Kirchen mit Altären und Bildern des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Parco Regionale Gallipoli Cognato – Piccole Dolomiti Lucane
Der Park beginnt vor der Haustür: alter Eichen- und Zerreichenwald am Monte Gallipoli und am Montepiano, Wanderwege und Picknickplätze. Weiter westlich stehen die Felsnadeln der Piccole Dolomiti bei Castelmezzano und Pietrapertosa. Für einen ganzen Tag ist die Verbindung von Ort und Wald das Schönste.
Anreise von Matera
Mit dem Auto rund 60 bis 70 Kilometer, etwa eineinviertel bis anderthalb Stunden über die SS 7 und Bergstraßen. Öffentlich fahren nur wenige Busse; für einen Ausflug braucht es ein Auto. Zur Festzeit ist der Ort voll – dann früh anreisen und außerhalb parken.
Beste Reisezeit
Pfingsten für das Fest, sonst Mai bis Oktober für die Wälder. Auf 770 Metern ist es im Sommer deutlich kühler als in Matera – ein guter Grund, an heißen Tagen hierher zu fahren.
Gut zu verbinden
Auf dem Weg liegt Tricarico mit seinem normannischen Turm und dem arabischen Viertel. Beide Orte an einem Tag sind machbar, wenn man früh startet.