Matera Guide www.Matera-Guide.com Die Stadt aus Stein – Reisen, Erleben, Entdecken
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Erste normannische Hauptstadt Süditaliens, Lieblingsresidenz Kaiser Friedrichs II., Ort von fünf Papstkonzilien: Melfi am Fuß des erloschenen Vulkans Monte Vulture ist für Geschichtsinteressierte der dichteste Ausflug von Matera aus – und für Weinfreunde die Tür zum Aglianico del Vulture.

Melfi liegt auf 530 Metern auf einer vulkanischen Terrasse, rund 16.700 Menschen leben hier. Über der Altstadt steht eine der größten Burgen Süditaliens, darunter zieht sich ein mehr als vier Kilometer langer Mauerring um den Ort. Wer sich für das normannisch-staufische Süditalien interessiert, findet hier mehr als irgendwo sonst in der Basilikata.

Was Melfi besonders macht

1059 erkannte Papst Nikolaus II. hier Robert Guiskard als Herzog von Apulien und Kalabrien an – der förmliche Beginn der normannischen Herrschaft in Süditalien. Zwischen 1059 und 1137 tagten in Melfi fünf Päpste mit ihren Konzilien. Und 1231 erließ Friedrich II. in dieser Stadt die Constitutiones Augustales, die „Konstitutionen von Melfi“: ein einheitliches Gesetzbuch für das Königreich Sizilien, das als einer der frühen Vorläufer staatlicher Gesetzgebung in Europa gilt. Heute ist Melfi eine ruhige Provinzstadt – man muss wissen, was hier passiert ist.

Sehenswürdigkeiten in Melfi

Castello Normanno-Svevo

Die Burg wurde Ende des 11. Jahrhunderts von den Normannen angelegt, unter Friedrich II. ausgebaut und später von Anjou, Caracciolo und Doria verändert. Zehn Türme stehen noch, sieben rechteckige und drei fünfeckige. Friedrich II. kam wegen der Jagd: In den Wäldern des Vulture ging er der Falkenjagd nach, über die er sein berühmtes Buch „De arte venandi cum avibus“ schrieb.

Museo Archeologico Nazionale del Melfese

Das Museum im Kastell zeigt Funde von der Vorgeschichte bis in die Römerzeit. Hauptstück ist der Sarkophag von Rapolla, ein kleinasiatischer Marmorsarkophag des 2. Jahrhunderts nach Christus, 1856 im Gebiet von Rapolla gefunden – ein Stück von einer Qualität, die man in einer Provinzstadt nicht erwartet.

Cattedrale di Santa Maria Assunta

Der Dom wurde 1076 begonnen und unter den normannischen Königen weitergebaut. Das Innere ist im 18. Jahrhundert barock umgestaltet worden; erhalten blieb der romanische Glockenturm von 1153, der als eigener Turm neben der Kirche steht.

Stadtmauer und Porta Venosina

Der Mauerring ist über vier Kilometer lang und in dieser Vollständigkeit in Süditalien selten. Er ist über Jahrhunderte gewachsen, von byzantinischer über normannische und staufische bis in aragonesische Zeit. Das bekannteste der erhaltenen Tore ist die Porta Venosina.

Chiesa rupestre di Santa Margherita

Außerhalb des Zentrums liegt eine in den Tuff gegrabene Felsenkirche des 13. Jahrhunderts mit mittelalterlichen Fresken. Eine der Szenen wird traditionell als Darstellung Friedrichs II. mit seiner Familie gedeutet – ob das stimmt, ist in der Forschung umstritten.

Anreise von Matera

Mit dem Auto sind es etwa 105 bis 113 Kilometer und rund anderthalb bis eindreiviertel Stunden, über die SS 655 Bradanica Richtung Vulture. Melfi hat zwar einen Bahnhof an der Strecke Potenza–Rocchetta–Foggia, von Matera aus bedeutet das aber mehrere Umstiege und lange Wartezeiten; für einen Tagesausflug ist das Auto die einzige sinnvolle Wahl.

Geparkt wird unterhalb des Kastells oder an den größeren Flächen am Rand der Altstadt, etwa am Largo Sant’Antonio. Die Altstadt ist hügelig, mit Kopfsteinpflaster und Steigungen; für Kastell, Museum und Dom sollte man zwei bis drei Stunden einplanen.

Beste Reisezeit

Mai, Juni, September und Oktober sind am angenehmsten; im Winter ist es auf 530 Metern kalt und oft neblig. Der beste Monat ist der Oktober: Dann läuft das „Ottobre Melfitano“ mit der Sagra della Varola, dem Kastanienfest des Vulture, bei dem die Kastanien in der durchlöcherten Pfanne „varola“ geröstet werden, und den Giornate Medievali mit Falknerei zu Ehren Friedrichs II. Die genauen Termine wechseln jährlich. Feste Termine sind das Patronatsfest Sant’Alessandro am 9. Februar und das Pfingstfest, das an die „Pasqua di sangue“ von 1528 erinnert: eine Prozession bei Tagesanbruch mit einer Statue auf einem Ochsenkarren und Kostümen des 16. Jahrhunderts.

Ein Tag in Melfi

Vormittags Kastell und Museum, mittags eine Pause in der Altstadt, nachmittags Dom, Stadtmauer und die Felsenkirche. Auf dem Rückweg lohnen die Seen von Monticchio am Monte Vulture oder ein Abstecher in die Weinorte Barile und Rionero in Vulture. Gut verbinden lässt sich Melfi auch mit Venosa, 23 Kilometer entfernt.