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Aliano ist der literarischste Ort der Basilikata. 1935 wurde der Turiner Arzt und Maler Carlo Levi hierher verbannt; aus dem Jahr in diesem Dorf wurde „Christus kam nur bis Eboli“, das Buch, das den Süden Italiens für den Rest der Welt sichtbar machte. Levi ließ sich hier begraben. Ringsum fällt das Land in die Calanchi ab, kahle Tonschluchten, auf denen kaum etwas wächst.

Aliano liegt auf 555 Metern auf einem Tonhügel über dem Val d’Agri, knapp 800 Menschen wohnen hier. Es ist ein stiller Ort, und genau das ist der Grund hinzufahren: Wer das Buch gelesen hat, findet die Gassen, die Gesichter der Häuser und die Landschaft fast unverändert wieder.

Was Aliano besonders macht

Levi nennt das Dorf im Buch „Gagliano“. Er kam 1935 als politischer Verbannter, durfte den Ort nicht verlassen, behandelte trotz Verbots Kranke und malte. 1936 kam er frei, 1945 erschien das Buch. Nach seinem Tod wurde er auf eigenen Wunsch auf dem Friedhof von Aliano beigesetzt – er wollte, wie er sagte, unter seinen Bauern liegen. Das Grab ist schlicht und leicht zu finden.

Sehenswürdigkeiten in Aliano

Casa di Confino

Das Haus, in dem Levi seine Verbannung verbrachte, ist heute Museum: Räume, Möbel, Dokumente, Fotografien und Reproduktionen seiner Bilder. Man braucht nicht lang, aber man geht anders hinaus, als man hineingegangen ist.

Museo della Civiltà Contadina

In einer früheren Ölmühle zeigt das Museum der bäuerlichen Kultur Werkzeug, Hausrat und Arbeitsgerät – die Welt, die Levi beschrieben hat.

Parco Letterario Carlo Levi

Der Literaturpark verbindet Orte im Dorf und in der Landschaft mit Stellen aus dem Buch. Ausgeschilderte Wege führen zu den Aussichtspunkten über die Calanchi.

Die Häuser mit den Augen

An mehreren alten Häusern sitzen zwei Fenster wie Augen über einer türartigen Nase – die „case con gli occhi“. Levi beschreibt sie als Gesichter; im Ort erzählt man, sie hätten Unheil abhalten sollen. Ob alter Volksglaube oder spätere Deutung, lässt sich nicht sicher sagen; das Bild bleibt.

Chiesa di San Luigi Gonzaga

Die Kirche aus dem 17. Jahrhundert mit barockem Altar steht im Ortskern.

Calanchi

Die Tonhügel rund um Aliano gehören zu den eindrucksvollsten Badlands Italiens. Vom Ort führen Wege an den Rand; feste Schuhe sind nötig, nach Regen sind die Pfade rutschig und besser zu meiden.

Feste

Seit 2012 findet im August das Festival „La Luna e i Calanchi“ statt: Literatur, Musik und Begegnungen in der Landschaft, mit Veranstaltungen bis in die Nacht. Wer im August in der Gegend ist, sollte den Termin nachsehen.

Anreise von Matera

Mit dem Auto rund 85 bis 95 Kilometer, aber gut anderthalb bis zwei Stunden – der letzte Teil ist kurvige Bergstraße. Öffentlich ist Aliano an einem Tag praktisch nicht zu erreichen. Rechnen Sie den Rückweg ein: Nach Sonnenuntergang ist die Strecke anstrengend.

Beste Reisezeit

April bis Juni und September bis Oktober. Im Winter kann es auf dieser Höhe kalt und neblig sein, im Hochsommer ist die Landschaft ohne jeden Schatten.

Ein Tag in Aliano

Früh losfahren, vormittags Casa di Confino und Museum, mittags im Ort essen, nachmittags über den Literaturpark an die Calanchi und zum Friedhof. Wer diese Landschaft weiter sehen will, verbindet die Fahrt mit Craco, dem verlassenen Dorf auf derselben Art von Hügel.